Wir schreiben über das, was uns schmeckt, über den Durst, und wir werden keine Wahrheiten liefern, sondern Denkanstösse.

Ab in die Vertikale!

Ab in die Vertikale!

 Fotos: Jörg Wilczek

Fotos: Jörg Wilczek

Manchmal tun wir es blind, manchmal offen, manchmal horizontal und manchmal vertikal – bei der Weinverkostung gibt es verschiedene Stellungen, wobei die Vertikalverkostung die Königin ist. Mit „vertikal“ ist gemeint, dass man von ein und demselben Wein mehrere Jahrgänge nacheinander probiert, mal sind es 5, mal 10, mal 20, mal sind sie im Jahrgang aufsteigend, mal absteigend und mal nach dem Stil der Weine geordnet. Vertikalverkostungen sind selten, denn wirklich spannend sind sie eigentlich nur, wenn eine ausreichende Zahl Jahrgänge eines Produktes lückenlos vorhanden ist. Und das ist selbst auf vielen Weingütern nicht der Fall. So verwundert es auch nicht, dass Vertikalen in der Weinszene sehr beliebt sind. Da mag man halt die raren Dinge.

Vor rund einem Jahr reisten wir eigens nach Madrid, um dort 28 Jahrgänge der Colección 125 der Bodega Chivite aus der Region Navarra zu probieren. Chivite gehört zu den renommiertesten Produzenten ganz Spaniens, und darum kamen neben uns auch 120 weitere Leute, darunter prominente Weinmacher wie Álvaro Palacios und Peter Sisseck oder Weinkritiker wie José Peñín (der hat den wichtigsten spanischen Weinführer Guia Peñín erfunden). Wenn solche Flaschen geöffnet werden, ist das ein exklusives Unterfangen, auch für diese Herren.

Technisch gesehen kann man bei einer Vertikalverkostung feststellen, in welchem Alter ein Wein besonders gut schmeckt, und natürlich kann man die Jahrgangsunterschiede vortrefflich erkennen. Ein guter Wein ist Ausdruck der äusseren Umstände, unter denen er gewachsen ist, er ist Ausdruck des Bodens, des Klimas und des Wetters im jeweiligen Jahr, doch in erster Linie zeigt er die Arbeit, die ein Winzer während eines ganzen Jahres gemacht hat. Organisiert ein Winzer eine Vertikalverkostung, lässt er die Hose runter – je mehr verschiedene Jahrgänge er zeigt, desto tiefer.

Bei der Vertikale in Madrid handelte es sich eigentlich um drei Vertikalen in einem Aufwisch. Es gab also verschiedene Jahrgänge von drei Weinen zu probieren. Besonders herausgestochen ist dabei die Vertikale des Chardonnay Chivite Colección Blanco – das ist mit knapp 50 Euro auch der teuerste Wein der Colección 125. Ja, ein Weisswein! Denn Weissweine reifen nun mal besonders gut – das finden nicht nur wir bei Schöner Saufen ... 14 Jahrgänge gab es von diesem Wein zu verkosten.

Wir probierten also Chivites Chardonnays, und zwar ab dem Jahrgang 2013 absteigend. Die jüngeren Jahrgänge sorgten für wenig Gesprächsstoff, je älter sie aber wurden, desto länger hielten wir uns mit einem Wein auf. Am längsten mit dem ältesten Wein, den wir probiert haben. Es war ein 1994er. Wir erfuhren, dass das Wetter in der Region Navarra damals besonders warm und trocken war, dass Chivite früh erntete und dass der Wein für 7 Monate in Barriques reifte. Es liegt wohl am frühen Erntezeitpunkt, dass der Wein noch immer frisch wirkt. Alles richtig gemacht, Herr Chivite – Hose hoch!

Und das ist alles? Natürlich nicht. Die Magie einer Vertikaldegustation kommt eigentlich erst zum Tragen, wenn man versucht, sich an seine eigenen Erlebnisse in den Jahren zu erinnern, in denen die Weine entstanden. Ich zum Beispiel war 1994 gerade mal 9 Jahre alt, die Fussball-WM fand in den USA statt und Familie Herzog hatte zum ersten Mal einen Fernseher zuhause. Andere Leute erinnern sich vielleicht an geschichtsträchtigere Dinge, wie die Eröffnung des Eurotunnels zwischen Frankreich und England.

Ganz egal, welche Erinnerungen man abruft, das Interessanteste an einer Vertikalverkostung und an gereiften Weinen allgemein ist nicht das Wetter des jeweiligen Jahrgangs, sind nicht die exakten Methoden der Kellerei, nein, das Interessanteste an Vertikalverkostungen sind die Geschichten darum herum, die Erinnerungen, die mit einem bestimmten Jahrgang unwiderruflich verbunden sind.

Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Pressereise. Schöner Saufen wurde von Chivite unterstützt mit: 2 x Flugticket mit Iberia von Zürich nach Madrid 2 x 2 Übernachtungen im Hotel RoomMate Mario 2 x Nachtessen im Sternerestaurant La Cabra 2 x Vertikalverkostungsplätze im Palacio de las Alhajas

In der Welt die es nicht gibt

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Guter Geschmack ist für alle da!

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